Don Pasquale / Donizetti

Bühnenbild / Konzeptionierung

Wettbewerbsbeitrag für den Ring Award 2017, Schauspiel Graz

Regie: Sascha Krohn
Kostümbild: Gesa Gröning

Kurzfassung des Konzepts // Wir inszenieren Don Pasquale als eine Persiflage auf das aktuell angeheizte Sicherheitsbedürfnis unserer Zeit. Die Komödie findet im Spannungsfeld zwischen Zentrum und Peripherie, Wohlstand und Prekariat statt. Don Pasquale lebt in einem schicken Palazzo im Centro Storico einer italienischen Großstadt. Doch er ist getrieben von den Ängsten vor der immer unsicherer erscheinenden Umwelt. Bettelnde Menschen, Verkäufer von „gefaketen“ Luxustaschen, laute Jugendliche… Don Pasquale fühlt sich nicht mehr sicher. Durch eine räumliche Verschränkung von Innen- und Außenraum zeigen wir diesen Vorgang: Don Pasquale mauert die Piazza ein und lebt fortan hinter dieser Sicherheitsarchitektur. Die öffentliche Piazza wird privatisiert und dadurch zu seinem Zuhause. Doch das reicht Don Pasquale nicht, er hat sich auch einen geheimen Keller angelegt, der immer mehr zum einzigen, als sicher geglaubten Rückzugsort wird. Was er dort genau macht, das lassen wir bewusst offen und spielen mit Andeutungen: ob Modelleisenbahn, Kriegstrophäensammlung oder geheimes Porno-Kino – die Figuren geben nicht alle ihrer Geheimnisse preis und Don Pasquale hat noch niemanden in seinen Keller eingelassen.

Norina wohnt in einer Vorstadtsiedlung auf der grünen Wiese, angelehnt an den römischen Mammutbau „Corviale“. Sie gehört zu den Verdrängten und sozial Abgehängten, die sich ein Leben in der Innenstadt nicht mehr leisten können. Doch dies lässt sie nicht verzagen. Mit ihrer Gang, die wir anstelle des Chores einfügen, dominiert Sie das Amphitheater vor der trostlosen Hochhaussiedlung. Norina ist ehrgeizig, nicht auf den Kopf gefallen und darf nie unterschätzt werden. Sie weiß sich zu wehren und bekommt meistens, was sie will.

Nach der fingierten Hochzeit zwischen den beiden, bricht die prekäre Welt der Peripherie in Don Pasquales behütetes Heim ein und besetzt das Zentrum. Jetzt wird eine wilde Party gefeiert und die Wände der Sicherheitsarchitektur abgerissen. Don Pasquales schlimmster Alptraum wird wahr: er wird der Fremde im eigenen Haus und jenes gleichzeitig eine Party-Zone a là „Krawall und Remmidemmi“ wie auch eine „Casa occupata“.

Zwischen den Welten changiert das „Doppelgesicht“ Malatesta. Don Pasquale gegenüber tritt er als seriöser Hausarzt auf, bei Norina gibt er den „Cool Guy“, der beim Dealer der Gang seine Drogen kauft. Sein Charakter entzieht sich immer wieder dem Zuschauer, er taucht in unterschiedlichen Erscheinungsformen auf – immer wieder erinnert sein Auftreten an Psycho-Thriller, wie „Funny Games“ oder „Hannibal“. So undurchdringlich sein Spiel ist, eine gehörige Portion Sadismus scheint immer mitzuschwingen. Überhaupt zeigen die Figuren immer wieder ihre Lust, den anderen zu ärgern und sich an seinem Unglück zu weiden (außer Ernesto, der sich lieber in seinem eigenen Unglück suhlt). Und zwischen Malatesta und Norina kommt es zum Wettkampf um die Spielführung.

Am Ende bleibt das Haus vorerst besetzt. Das böse Spiel um Don Pasquale endet für ihn in der Resignation. Er flieht in seinen Keller. Ober er da jemals wieder herauskommen wird?

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